Laugavegur - Shop&Trek in Island
Auf und ab...
Gestern waren wir lange unterwegs und der Tag endete nass und dreckig, da hatte ich keine Lust mehr auf bloggen, deshalb der Eintrag wieder etwas verspätet.


Brücke über Canyon
Der Morgen in Þórsmörk begann sehr gut. Es war trocken und hin und wieder kam die Sonne raus. Wir nutzten das, um ein paar Sachen zu trocknen und kamen deshalb erst nach 11 los.
Das erste Hindernis kam gleich nach wenigen Metern: die Krossa, ein reißender Gletscherfluss. Glücklicherweise gab es über den Hauptarm eine mobile Brücke, die kleineren Seitenarme konnte man überspringen oder von Stein zu Stein hüpfend überqueren.
Danach ging es steil bergauf hinaus aus dem Tal, hinaus aus dem "Paradies" Þórsmörk.
Nach ein paar Kilometern kamen wir zur Þrönga, einem Zufluss zur Krossa. Eine Brücke gab's hier nicht und zum Überspringen war der Fluss zu breit - also hieß es durchwaten. Schnell die Schuhe gewechselt und los ging's. Die Strömung war zwar recht start und das Wasser eiskalt. Alles in allem war es aber viel harmloser, als ich es mir vorgestellt hatte. Ein paar kleinere Seitenarme konnte man dann wieder problemlos ohne waten überqueren. Auf der anderen Seite schnell wieder in die Wanderstiefel (naja, nicht alle von uns ;-)) und weiter ging's.
Die Landschaft war inzwischen wieder viel karger und es ging ständig auf und ab - leider mehr auf als ab.
Das Wetter wurde zusehends schlechter, ob nun allgemein oder weil wir uns mehr und mehr von Þórsmörk entfernten. Beim Zurückblicken bildete ich mir jedenfalls ein, dass über Þórsmörk ein Loch in der Wolkendecke war und die Sonne durchschien - warum warn wir da nur weg gegangen?
Der Weg zog sich dann noch ziemlich hin. Es gab überwiegend Geröll, Asche und wenig Vegetation. Die vielen Steigungen zehrten ziemlich an den Kräften, doch ab und zu, wenn man einen der vielen Hügel erklommen hat und der Blick auf das, was dahinter liegt freigegeben wurde, wusste man wieder, warum man das alles tat: überwältigende Landschaft. Hohe Berge mit Schnee und Eis, davor sanfte grüne Hügel und zwicshen allem rauscht ein wilder Fluss, stürzt hier und da an einem Wasserfall herab, nimmt Kurven, dass es ihn fast aus seinem Bett trägt und kurze Zeit später friedlich weiter zu fließen, als wäre nichts gewesen.
Einen dieser Flüsse, der sich einen tiefen Canyon gegraben hatte, mussten wir dann auf einer Brücke überqueren, wobei das abenteuerliche nicht die Brücke war, sondern der Weg dort hin: Erst ein Stück den Canyon hinab, dann auf einem schmalen Pfad entlang und rechts immer die tiefe Sclhuicht mit dem rauschenden Fluss.
Auf der anderen Seite galt es dann, die letzte Steigung, die es aber nochmal gewaltig insich hatte, zu bewältigen, bevor wir die letzten Kilometer zu unserem heutigen Etappenziel "Emstrur" zurücklegten. Natürlich musste sich das Wetter auf diesem Stück nochmal von seiner schlechtesten Seite zeigen. Der Wind drehte auf und Regen setzte ein, sodass wir völlig durchnässt ankamen. Die Hütte liegt etwas oberhalb eines kleinen grünen Tals, mit einem idyllischen Bächlein. Die Hüttenplätze waren schon vergeben und auch die Zeltplätze im eben erwähnten Tal waren belegt. Uns blieb also nur ein Platz weiter oben, ohne Grün, nur nasser Schutt und Asche. Auf diesem Dreck und bei dem Wetter das Zelt aufbauen... naja, auch das ging.
Es gab noch schnell was zu Essen und dann war ein harter aber trotzdem schöner, am Ende leider etwas dreckiger Tag vorbei...

Von Sonnig zu durchnäßt..
Zum ersten Mal seit unserem Appartment schlafe ich richtig gut, vor allem schnell ein. Das Erwachen ist trotzdem durchwachsen, mir kommt die Ausrüstung, die im Vorzelt war, nasser vor als am Abend. Da der Tag aber ohne Regen anfängt und man sogar erkennen kann woher die Sonne kommt lassen wir uns viel Zeit, hängen ein alles Nasse in den sanften Wind, frühstücken und packen gemütlich.
Um die 16km liegen vor uns. Da die erste Furt (endlich richtig zu Fuß durchs Wasser) ziehe ich gleich meine Neoprensocken und Wattschuhe an. Eigentlich hoffe ich daß meine Stiefel weiter trocken können. Relativ rasch erreichen wir dann auch wirklich die Þrönga. Ich zippe meine Hosenbeine ab, mache die Trekkingstöcke bereit und warte auf Alex, der ja mit seinen Stiefeln noch etwas mehr beschäftigt ist. Los gehts: Gar nicht so kalt aber ich finde die Strömung heftig. Alex wohl gar nicht, er überholt sogar rechts.
Obwohl hinter uns die beiden Vulkne immer noch in Nebel gehüllt sind hat sich das Wetter wirklich ziemlich gemausert, lasse also meine abgezippten Hosenbeine im Rucksack, verpacke sogar den Pullover und lasse die Wattschuhe den restlichen Weg an.
Bis zum Ende der heute Etappe geht es nun stetig aufwärts. Die Landschaft bleibt wunderschön aber ab Mittag wird die Witterung wieder wechselhafter und dann immer schlechter. So muß ich Pullover und Hosenbeine doch wieder irgendwann auspacken. Das ewige Bergauf läßt uns nur langsam voran kommen, über 8 Stunden sind wir unterwegs. Zu guter letzt erwartet uns mal wieder eine aberwitzige Brücke und zum auspowern nochmal ein laaanges Stück aufwärts. Ein paar Schritte danach können wir jedoch schon das Tagesziel, Emstrur, sehen. Gleichzeitig zeigt aber auch nochmal der Regengott daß es ihn noch gibt. Völlig durchnäßt bauen wir unser Zelt im letzten Dreck auf, die schönen Plätze waren leider schon alle besetzt. Ich nutze eine kurze Regenpause um für den Stellplatz zu bezahlen und da es dann auch schon nach Acht ist wird nur schnell gekocht und der Tag beschlossen. Hoffentlich bleibt das Zelt in dem Wind hier stehen...

Kurze Nacht
Bei dem Lärm schlafe ich ewig nicht ein.. schaue zuletzt um Halb Zwölf auf die Uhr und gegen Sieben stehen schon wieder die Ersten auf.
Bis die jedoch weg sind dauert es eine Weile. Da wir heute viel Zeit haben warten wir auch noch bis die Gruppe zusammenpackt und aufbricht. So können wir in Ruhe frühstücken und bekommen sogar noch ein paar Futteralien geschenkt die die Gruppe nicht wieder mit ins Tal schleppen will.
Gegen Zehn Uhr brechen wir dann endlich auch auf. Es regnet immernoch und nur die wenigsten Sachen sind trocken geworden. Besonders die Schuhe fühlen sich sogar näßer als am Vortag an. Ich ziehe heute etwas weniger an um nicht so stark zu schwitzen denn erstmal geht es den Pass weiter nach oben.
Die Asche- und Schneefelder sehen eindrucksvoll aber etwas trostlos aus und an viele Fotos ist immer noch nicht zu denken. Ab etwa 1000hm wird aus dem Regen langsam Schneeregen und Schnee. Eigentlich sind links und rechts von uns zwei Vulkane die knapp 1500m hoch sind, aber in der Suppe aus Regen, Schnee, Nebel und Wolken ist davon nichts zu sehen.
Nach vermutlich 5km haben wir die höchste Stelle erreicht und steigen langsam Richtung Þórsmörk ab. Das Wetter bessert sich leicht und die Temperaturen steigen auch wieder über 1°C. Dafür finde ich den Übergang aus Asche/Schneefeldern zu grüner Vegetation, neuen Schluchten und Wasserfällen sehr abrupt aber wieder sehr schön. Nebelverhangen trifft es wohl am besten.
Nach weiteren 5km erwarten uns die steilsten Stellen, hier sind teilweise Ketten befestigt worden an denen man sich festhalten kann um nicht auszurutschen.
Nach dieser Kletterei hört sogar ab und zu der Regen für kurze Zeit auf. Unter einem trockenen Felsvorsprung machen wir eine Pause. Frisch gestärkt finden wir bald erste Anzeichen von Zivilisation, wir nähern uns also unserem Ziel für heute, Básar.
Dort angekommen sichern wir uns für ein paar Kronen einen Zeltplatz und Zugang zu den Duschen. Der schönste Fleck fürs Zelt ist schnell gefunden, es steht kurz danach und in den spärlichen Sonnenstrahlen versuchen wir wieder Ausrüstung zu trocknen.
Die Dusche ist verdammt kalt ("warm, sometimes mildly warm, we do our best to heat the water...";), ich fühle mich trotzdem besser und wärme mich am Abendessen auf.

Endlich zu Fuß...
Es regnet die Nacht hindurch und wie wir merken werden regnet es auch noch den ganzen restlichen Tag weiter. Gegen 10:00 laufen wir los, rund 12km und etwa 900 Höhenmeter liegen vor uns.
Rechts vom Skogafoss geht ein steiler Weg entlang. Wegen des vielen "Wassers von oben" können wir leider kaum Fotos machen und die Stimmung ist leicht gedrückt. Die Landschaft ist trotzedem toll: Wasserfälle einer nach dem anderen, tiefe Schluchten, steile Ansteige und kaum andere Menschen. Bei Sonnenschein muß es noch viel unbeschreiblicher sein!
Unterwegs treffen wir zwei die wegen der Witterung umgekehrt sind. Wir grübeln auch kurz, laufen dann aber weiter, so schlimm wird es schon nicht sein und wir können doch nicht schon jetzt aufhören :-).
Etwa bei der Hälfte treffen wir weitere Leute die von gleichbleibendem bzw besserwerdendem Wetter berichten. Hier steht auch eine der abenteuerlichsten Brücken die ich je gesehen habe. An der Seite wird eine Leiter erklommen, über das Geländer gestiegen und dann geht's drüber. Zwei bis Drei km vor unserem eigentlichen Ziel finden wir die neuerrichtete Hütte "Baldvínskáli", die die alte Notfallhütte ersetzt. Wir bleiben hier da noch Platz ist und wir unsere Ausrüstung trocknen wollen. Zu zweit immerhin 6000kr werden fällig.
Es kommen noch etliche weitere Wanderer die genauso durchnässt sind. Der Vorraum der Hütte wird immer feuchter aber der Innenraum ist warm und trocken. Hier hängen wir Socken und Co auf..
Gegen Abend wird es richtig voll, insgesamt über 20 Leute wollen hier über Nacht bleiben, einige werden sogar fortgeschickt da noch auf eine angemeldetet Gruppe gewartet wird. Es wird also richtig eng, laut und immer nasser. Hoffentlich wird alles trocken, nichts verschwindet oder wird vergessen.
Beim Abendessen unterhalten wir uns mit anderen Deutschen die auch nach Landmannalaugar gelangen wollen.
Als Belohnung für die erste Etappe gönne ich mir etwas Schokolade und dann breiten wir im zweiten Stock unsere Isomatten aus... bin gespannt wie der nächste Tag aussieht.